Doktorwerden digital

Seit Generationen zieht die Medizinerausbildung die klügsten Köpfe an. Zwölf Semester, also sechs Jahre beträgt die Regelstudienzeit für das anspruchsvolle Studium mit einem (fast) bundesweit durchgängigen NC von 1,0. Exzellenz ist gefragt, doch der Innovationsschub in den Hörsälen bleibt aus. Noch immer schließen Mediziner:innen ihr erstes Staatsexamen ab, ohne dass ihnen die sinnvolle Nutzung digitaler Tools oder die neuen Realitäten des Arzt-Alltags systematisch vermittelt wurden.

Fatal, denn die Anforderungen an das Berufsbild sind im Wandel und die Telemedizin-Angebote nehmen seit zehn Jahren einen immer größer werdenden Stellenwert in der Versorgung ein. Ärzt:innen beraten per Video, über digitale Tools, nutzen Künstliche Intelligenz unterstützend bei der Diagnose, Gesundheits-Apps begleiten Patient:innen im Alltag, elektronische Akten strukturieren Beratung und Dokumentation.

Parallel zu den großen Trends der digitalen Medizin wandeln sich die Patientenerwartungen und -gewohnheiten, zusätzlich beschleunigt durch die Covid-19-Pandemie. Patient:innen wollen selbstbestimmte Entscheidungen treffen, bestmöglich informiert sein und bestmögliche Therapien kennen.

So selbstverständlich wie wir Reisen planen, Flüge und Unterkünfte vergleichen und buchen, werden wir künftig auch nötige medizinische Eingriffe auf unsere persönlichen Bedürfnisse hin planen wollen und können. Und entsprechend aktiv am Gelingen mitwirken. Übrigens auch ein großes Plus in Sachen Compliance und Adhärenz.

Was außerdem zur Wahrheit gehört: Unser Gesundheitssystem steht unter Kostendruck – durch den demografischen Wandel zusätzlich verschärft. Die Digitalisierungs-Perspektive bringt ein erhebliches Einsparpotential: Laut der Studie „Digitalisierung im Gesundheitswesen“ der Unternehmensberatung McKinsey könnten die Gesundheitsausgaben um bis zu 42 Milliarden niedriger sein, hätte Deutschland konsequent auf digitale Technologien gesetzt.

Das alles wird im Arbeitsalltag der Ärzt:innen weiter zu Veränderungen führen. Technische Infrastruktur ermöglicht ihnen zwar, Teil der neuen Versorgungswege zu werden. Den Weg gehen müssen sie jedoch aus eigenem Antrieb.

Gesundheitsangebote kommen digital vernetzt zum Patienten. Hier sind die Ärzt:innen gefragt, Patient:innen Orientierung für ihre individuelle Patient Journey zu geben, und das nötige Wissen zu vermitteln, damit Patienten selbstbestimmte Entscheidungen treffen können. Gemeinsame Präsenzzeit mit dem Erkrankten wird hingegen stärker bedarfsorientiert eingesetzt werden – und die wertvollen Vor-Ort-Ressourcen geschont.

Um sich bereits während des Studiums auf die spätere Arbeitsrealität vorzubereiten, finden Medizinstudierende neben den freien Lehrinhalten der einzelnen medizinischen Fakultäten erste außeruniversitäre Angebote. Die Privatwirtschaft beginnt, die Digitallücke in der Medizinerausbildung zu füllen.

Bei ZAVA gehen wir mit einem eigenen Stipendium für Medizinstudierende voran und können bei den Talenten mit der Aussicht auf praktische Digital-Erfahrung am Ort des Geschehens punkten. Ziel sollte jedoch sein, die Themen in das verbindliche Curriculum aufzunehmen, um modern auszubilden und künftig verstärkt durch Ärzt:innen neue digitale Versorgungswege und -potenziale für Patient:innen zu eröffnen. Denn das kommt letztlich allen zugute: Den Patient:innen, den Ärzt:innen und dem Gesundheitssystem.

Quelle Text und Bild (Copyright Gina Kühn): Dr. Claudia Linke, Deutschland-Chefin der Online-Arztpraxis ZAVA

 

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