Nutzung von Patientendaten: Voraussetzung für Verbesserungen in Versorgung und Forschung

Zu einer Veranstaltung in seiner Reihe „Meet, Discuss, Create“ lud Mitte August der Digital Health Hub in Greifswald ein. Ins Leben gerufen durch die Universitätsmedizin Greifswald und WITENO (Wissenschafts- und Technologiepark NORD° OST) bietet dieser Hub „einen physischen und virtuellen Treffpunkt für die Akteure des Innovationsökosystems Gesundheit“.

Ziel des hybriden Treffens war es, den Austausch zwischen Anwendern, Forschenden, Start-ups und Unternehmen im Kontext der Nutzenpotenziale von Gesundheitsdaten zu fördern. Das Motto lautete: „EHDS (European Health Data Space), MIl (Medizininformatikinitiative), THS (Treuhandstellen) & DIZ (Datenintegrationszentren) leicht erklärt – Gesundheitsdaten für die Versorgung nutzbar machen“. Patientendaten sollen im digitalen Wandel präzisere, personalisierte Medizin und die Gewährleistung des leichteren Zugangs zu Leistungen ermöglichen – und somit auf Dauer bessere Outcomes.

Für die erfolgreiche Digitalisierung brauchen wir Verständnis und Akzeptanz, betonte bei der Eröffnung Mecklenburg-Vorpommerns Sozial- und Gesundheitsministerin Stefanie Drese. Ihr Dank ging an den Digital Health Hub und sein Engagement als Inkubator, Akzelerator und Think Tank für digitale Lösungen und den digitalen Wandel. „Wir sind gerade mittendrin in der digitalen Transformation der Gesundheitsversorgung“, so die Ministerin weiter. „Und die markiert eine neue Ära. Medizinische Daten werden seit langer Zeit erhoben und verarbeitet. Aber noch nie zuvor standen so umfassende Daten zur Verfügung – und noch nie war der Zugriff auf die Daten und deren Auswertung so verhältnismäßig einfach. Das sind beste Voraussetzungen, sie zum Wohle aller auch zu nutzen.“

„Es geht nicht mehr darum, ob wir Daten sammeln – sondern wie“, unterstrich Prof. Dr. Uwe Reuter. Im Gesundheitswesen herrsche in dieser Hinsicht ein enormer Nachholbedarf. Demgegenüber, so der Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald, geben wir „täglich unzählige persönliche Daten bekannt durch Online-Einkäufe, Urlaubsbuchungen oder elektronische Bezahlung – und fühlen uns sicher dabei. Im Gesundheitswesen besteht das gegenteilige Phänomen: Die Daten sind sehr gut geschützt, aber es besteht große Sorge vor Missbrauch. Ein Widerspruch, der nicht rational begründet sein kann“. – Die Regulierung zur Datennutzung sei bundesweit zu harmonisieren, damit nicht die Forschung an Bundesländergrenzen Halt machen muss.

Im Fokus des EHDS steht die gemeinsame Nutzung von Gesundheitsdaten mit klaren Regeln (zum Beispiel DSGVO) und internationalen Standards, erklärte Dr. Nilofar Badra-Azar. Der europäische Datenraum solle für eine bessere Versorgung, für höhere Patientensicherheit und eine gestärkte Forschung sorgen, so die Vertreterin des Referats für Grundsatzfragen neue Technologien und Datennutzung / Projektgruppe „Datenraum Gesundheit“ beim Bundesministerium für Gesundheit. Europäische Vorgaben seien dann einzelstaatlich herunterzubrechen.

An die Referate zu Forschungsprojekten und künftigen Anwendungsmöglichkeiten von Gesundheitsdaten sowie zu Perspektiven für ein innovatives Gesundheitswesen schloss sich eine Diskussionsrunde an. Die Aufforderung als Fazit lautete: „Aus fragmentierten Daten gute Forschungsdaten machen und nutzen, Datenschutz nicht über alles stellen – deutschlandweit und in Europa!“.

„Das große Interesse und die weite Anreise einiger Teilnehmer:innen nach Mecklenburg-Vorpommern zeigen uns, dass wir die wichtigen Themen zur richtigen Zeit aufgreifen und gemeinsam diskutieren,“ freute sich Toralf Schnell, Chief Digital Officer der Universitätsmedizin Greifswald, Co-Leiter des Digital Health Hub und Moderator der Veranstaltung. Ein zusätzliches Highlight brachte Ministerin Drese mit: die Landes-Förderzusage zur Qualifikation von „Digital-Lotsen” an der Universitätsmedizin Greifswald. Diese Lotsen werden künftig Mitarbeitende und die Bevölkerung auf dem Weg zur digitalen medizinischen Versorgung unterstützen.

Hier geht es zu den Interviews, die wir in Greifswald geführt haben: mit Ministerin Stefanie Drese, UM-Greifswald-Vorstandsvorsitzendem Prof. Dr. Uwe Reuter und CDO Toralf Schnell.

 

 

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