Naturgemäße Heilmethoden – Gegenpol zur Schulmedizin?

Naturgemäße Heilmethoden oder „Naturheilverfahren“ werden oft als Gegensatz zur Schulmedizin verstanden. Der HNO-Arzt Dr. Bernhard Benz beschreibt in diesem Beitrag seine Sicht – sie könnte für manche Startup-Akteure Bedeutung haben.

Der Begriff Schule hat für viele von uns den Beiklang von orthodox und dogmatisch, eben unnatürlich. Demgegenüber ist die Natur für uns die Mutter aller Dinge. Wir wollen natürlich wirken und aussehen, wir wollen, dass mit uns natürlich umgegangen wird, eben entsprechend unserer wahren Natur.

Was bedeutet Naturmedizin?

Alle Medizin hat sich aus der Beobachtung der Natur entwickelt. Unsere Vorfahren waren gezwungen, aus Beobachtungen und Überlieferung einfache Verfahren zur Heilung ihrer Mitmenschen zu entwickeln, die sie immer wieder im Praxistest ausprobierten. Diese Beobachtungen und Überlieferungen gaben sie weiter, zuerst unsystematisch von Arzt zu Arzt, später auch in Medizin Schulen. Gibt es etwas Natürlicheres als erproben, infrage stellen, lehren und lernen?

Auf diese Weise ist ein immer komplexeres Wissens- und Lehrgebäude entstanden, das für den einzelnen Arzt heute nicht mehr überschaubar ist. Ich möchte deshalb davor warnen, Sich auf einen selbst ernannten „Naturmediziner“ zu verlassen, der sich als „Erfahrungs-Mediziner“ bezeichnet und von der von ihm so genannten „Schulmedizin“ distanziert. Ich bin der Meinung, dass solche Heilmethoden heute ohne den wissenschaftlichen Fortschritt nicht mehr zu verantworten sind.

Das hat nichts damit zu tun, dass Therapeuten jeder Schule nicht selten an die Grenzen ihres Wissens und Könnens stoßen und dann alternative Wege suchen und häufig einfach ausprobieren müssen. Dies sollte dann aber auch deutlich gesagt werden, damit der Patient sich frei informieren und entscheiden kann, worauf er sich einlässt.

Worin bestehen die Besonderheiten und Gefahren dieser Art „Naturmedizin oder Erfahrungsmedizin“?

Die Sichtweise dieser Medizin hat zweifellos Vorteile: Sie ist direkt und nutzt oft viele Sinnesqualitäten gemeinsam. Jeder Arzt sollte sich etwas davon zu Eigen machen. Dennoch gibt es große Nachteile eines solchen Vorgehens in der Medizin: Es ist sehr störanfällig und ungenau und führt in vielen Fällen zu falschen Diagnosen und entsprechend falscher Behandlung.

Warum führt die „Erfahrungsmedizin“ so häufig zu Irrtümern?

Die Gründe dafür, dass sich Patienten wie Ärzte so leicht täuschen lassen, sind z.B. folgende: Die überwiegende Mehrzahl der Krankheiten heilt spontan oder zeigt doch wenigstens einen schwankenden Verlauf. Da der Patient ebenfalls intuitiv und „ganzheitlich“ empfindet, bringt er nur den positiven Verlauf einer Krankheit in Verbindung mit der Therapie und täuscht sich dadurch häufig selbst und damit auch seinen Arzt, der seine Erfahrungsmedizin durch diese „Erfahrung“ bestätigt sieht.

Wer heilt hat Recht?

Bei langfristiger Verschlechterung der Krankheit dagegen helfen weitere psychologische Mechanismen dabei, den vermeintlichen Erfahrungsschatz von Arzt und Patient dennoch nicht zu erschüttern: Der Patient wird gerade bei solchen Heilmethoden von seinem Behandler auf den langwierigen Verlauf  und die schonende und damit nur ganz allmähliche Besserungstendenz hingewiesen. Dadurch erscheint auch ein Fehlschlag noch als Erfolg der Behandlung und wird gern weiter erzählt oder veröffentlicht.

Andererseits geben nur wenige Patienten, die bei einem „Erfahrungs Mediziner“ oft viel Geld bezahlt haben und keinen deutlichen Erfolg für sich zu beobachten, diese negativen Erfahrungen an ihre Bekannten weiter. Wer sich allerdings geheilt glaubt, rechtfertigt seine Investitionen gern durch positive Berichte bei Freunden und Bekannten. Dieser systematische Fehler schlägt sich auch in den Medien nieder, die – mit Recht – an experimentell erprobte und statistisch untermauerte Diagnose- und Therapieverfahren strengere Maßstäbe anlegen als an die „Erfahrungs-medizinischen“ Techniken. Das Argument „wer heilt hat recht“ sollte daher sehr kritisch in Frage gestellt werden. Wie oben ausgeführt reicht die bloße Behauptung oder der Eindruck bei Arzt und Patienten nicht aus für die Beurteilung einer Therapie oder eines Arztes. Die Geschichte der Medizin ist voll von Irrtümern dieser Art.

Mein naturmedizinisches Konzept:

Ich versuche, den kranken Menschen nicht nur analytisch wissenschaftlich, sondern auch intuitiv besser zu verstehen. Da ich weiß wie leicht die menschliche Wahrnehmung zu täuschen ist, überprüfe ich meine Methoden nicht nur wie die „Erfahrungs Mediziner“ an meiner Einzel Erfahrung, sondern auch durch ständig neu erscheinende wissenschaftliche Erkenntnisse. Nur dadurch kann man die moderne Medizin naturgemäß einsetzen, sowohl die sanfteren als auch die eingreifenderen  Verfahren.

Ich glaube, dass nur eine solche Betrachtungsweise den Namen „naturgemäß“ verdient.

Quelle: Dr. med. Bernhard Benz, Kiel

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