Haupstadtkongress stellt Digitalisierung in den Mittelpunkt

Rund 8.500 Teilnehmer, circa 150 Einzelveranstaltungen und etwa 600 Referenten: Drei Tage lang  bot der Hauptstadtkongress im Berliner CityCube unter dem Motto „Gesundheitspolitik, Gesundheitsversorgung, Gesundheitsberufe in Zeiten des digitalen Wandels“ das gesamte Themenspektrum des deutschen Gesundheitswesens.

Schwerpunktthemen waren Künstliche Intelligenz und Digitalisierung; sie bleiben auf künftigen Kongresse ebenso relevant, kündigte Kongresspräsident Ulf Fink an. Ferner wollen die Veranstalter alle Altersklassen in der Medizin und Pflege ansprechen und mit herausragenden Wissenschaftlern sowie hochrangigen Experten vorangehen. Prof. Heinz Lohmann hob die positive Aufbruchstimmung in der Branche hervor. Diese ist sicher notwendig, denn immer noch gibt es viele ungelöste strukturelle Herausforderungen.

Eine wichtige Rolle spielen hierbei beispielsweise die Personalbedingungen, die auch der Krankenhaus Rating Report 2019 nennt. Der Report zeigt auf, dass es Deutschland Krankenhäusern wieder schlechter geht. „Die Reformen der Vergangenheit waren rein symptomatisch und haben keine moderne und nachhaltige Krankenhausstruktur entstehen lassen“, so Dr. Sebastian Krolop, einer der Autoren des vom RWI herausgegeben Reports. Nunmehr befinden sich 12 Prozent der Krankenhäuser in erhöhter Insolvenzgefahr, ohne dass klar ist, wie sich der Krankenhausmarkt künftig strukturieren sollte.

Auch die Krankenhausvergütung steht nach Ansicht von Fachleuten vor ungelösten Problemen: Die Herausnahme der Pflege aus dem Fallpauschalensystem könnte zu einem Bumerang im Hinblick auf Kosten und Qualität werden, wie sich in einer von dreihundert Teilnehmern besuchten Kongresssession zeigte. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, wies darauf hin, dass bisher völlig unklar sei, was „Pflege am Bett“ bedeute – was also künftig der Fallpauschale zuzurechnen wäre und was der Pflege. Andrea Lemke, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats, erklärte, dass ein verbessertes Fallpauschalensystem, das die Pflege angemessen einbeziehe, der jetzt vorgesehenen Herausnahme vorzuziehen sei und zeigte sich in diesem Punkte mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft einig.

Zu den großen Konfliktfeldern der deutschen Gesundheitspolitik, die auf dem Hauptstadtkongress thematisiert wurden, gehört auch der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich. Der Streit zwischen AOK einerseits und den Ersatz-, Betriebs- und Innungskrankenkassen andererseits wurde auf dem Hauptstadtkongress kontrovers ausgetragen.

Patientenakte: Die Hoheit liegt beim Patienten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies die Kritik an seinen Plänen für die elektronische Patientenakte zurück. Er bestätigte in seiner Eröffnungsrede zunächst, man könne ab 2021 noch nicht für jeden Arzt individuell festlegen, welche Inhalte der Akte zur Ansicht freigegeben sind, „doch da wollen wir hin – mit Datenhoheit beim Patienten“, so der Minister. Er verteidigte erneut das Tempo, mit dem er die Einführung vorantreibe. Unter Verweis auf niedrigere Datenschutzniveaus in anderen Ländern betonte Spahn: „Ich möchte einfach nicht warten, bis das alles irgendwie kommt – aus USA oder, noch viel problematischer, aus China.“

Energisch plädierte Spahn für die Einführung einer Pflicht zur Masernimpfung in Krankenhäusern, Kitas und Schulen. Ferner ziele er darauf ab, die Arbeitsbedingungen für Pflegende, doch ebenso die flächendeckende Versorgung mit Ärzten, Apotheken und eine adäquate Vergütung sicherzustellen.

Für Gründer und Startups schaffe die Regierung auch einfachere Bedingungen: Apps und Digital-Health-Angebote sollen leichter in die Regelversorgung gelangen (siehe DVG). Und wenn das Gesetz auch nicht perfekt sei, immerhin gebe man diesen Weg nun vor und könne nach einiger Zeit ggf. wieder nachgebessern, erklärte der Minister. Mit neuen Technologien, auch im Bereich Blockchain, soll den jungen und/oder digitalen Experten der Verbleib in Deutschland schmackhaft und dem Weggang in andere Länder entgegengewirkt werden.

Quelle: HSK

 

 

 

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