Die Digitalisierung ist endlich Chefsache geworden

Mit Rekordergebnissen endete der diesjährige Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. Für drei Tage waren insgesamt 8.400 Entscheider aus dem deutschen Gesundheitswesen zur größten Branchenveranstaltung zusammengekommen, um sich zu gesundheitspolitischen Fragen unter dem Leitthema “Digitalisierung und vernetzte Gesundheit” auszutauschen In mehr als 150 Einzelveranstaltungen traten rund 600 Referentinnen und Referenten auf.

Bereits der völlig überfüllte Saal bei der Eröffnungsveranstaltung zeigte, dass die digitale Revolution das Gesundheitswesen endgültig erreicht hat. In seiner Eröffnungsrede wies Bundesgesundheitsminister Jens Spahn darauf hin, dass eHealth weltweit auf einem unaufhaltsamen Vormarsch sei. „Die Angebote sind da oder kommen: Amazon, Google, Dr. Ed“, sagte Spahn und fügte hinzu: „Es ist die Frage: Gestalten wir das oder kommt das von außen?“ Spahn hob hervor, dass mittlerweile weniger die technischen Möglichkeiten noch ein Problem seien, sondern vor allem die Regulierung und Finanzierung neuer digitaler Medizin im deutschen Gesundheitswesen. In einer Videobotschaft kritisierte auch SAP-Gründer Hasso Plattner, die scharfen gesetzlichen Regelungen in Deutschland „hemmen den Einsatz digitaler Innovationen“. Plattner stellte ein von ihm initiiertes Projekt einer Health Cloud vor. Sämtliche diagnostischen Daten von Patienten sollen allen behandelnden Ärzten zur Verfügung stehen. Die Cloud soll mittels künstlicher Intelligenz neue medizinische Therapien hervorbringen. Ziel ist es, durch gezielten Einsatz digitaler Technik die medizinische Behandlung zu verbessern und zugleich die Kosten zu senken.

Eine der spektakulärsten Präsentationen war die eines Roboterarmes durch Prof. Dr. Sami Haddadin, einen weltweit führenden Robotikspezialisten und Gewinner des Deutschen Zukunftspreises. Haddadin zeigte, wie ein solcher Arm krankengymnastische Übungen zunächst mittels entsprechender Bewegung durch einen Therapeuten beigebracht bekommt und dann mit dem Patienten selbstständig durchführt. Der Roboter ist dabei in der Lage, rücksichtsvoll auf Berührungen von Menschen zu reagieren und gegebenenfalls auch nachzugeben.

Auch der Krankenhaus Rating Report 2018 kam an der Digitalisierung nicht vorbei: Zwar geht es den deutschen Krankenhäuser im Durchschnitt wirtschaftlich deutlich besser als in den Vorjahren. Der Fachkräftemangel wird aber mehr und mehr zu einem Risiko für die Versorgung. “Arbeitssparende technische Innovationen werden immer wichtiger, um Ärzte und Pflegepersonal zu entlasten”, erklärte Prof. Dr. Boris Augurzky das Ergebnis seiner Untersuchung, nach der bei gleichen Rahmenbedingungen wie heute bis 2025 voraussichtlich zusätzlich 80.000 Vollkräfte in den medizinischen Diensten der Krankenhäuser und weitere 80.000 Pflegefachkräfte in der Altenpflege benötigt werden.

Eine Startup-Ausstellungsfläche bot auch jungen Unternehmen die Möglichkeit, sich dem Fachpublikum und der Politik vorzustellen. Der Pitch am letzten Kongresstag endete mit Awards für vier junge Unternehmern: Sieger wurde One Life.me mit seinem Produkt femisphere, Magnosco erhielt den zweiten Preis, dritter wurde App@work. Einen Trostpreis bekam der Achiever Protembis.

Ein Interview mit Larissa Middendorf von Magnosco, die ihre Lösung sehr anschaulich erklären, gibt es hier.

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