„Das digitale Krankenhaus“ – Startups auf der Fachkonferenz in Nürnberg

Aktuelle Herausforderungen, zukunftsprägende Entwicklungen und praktische Lösungen: Die Auswirkungen des digitalen Wandels auf den Gesundheitsmarkt standen im Mittelpunkt der Fachveranstaltung „Das digitale Krankenhaus“. Das Management Forum Starnberg hatte im Dezember ein spannendes Programm mit Vorträgen und Diskussionen rund um die Transformation in der Versorgung zusammengestellt – und Startups Raum geboten.

Neben Chancen und Risiken der Digitalisierung im vernetzten Gesundheitswesen zeigten Experten im Veranstaltungshotel am Nürnberger Flughafen ihre Strategien für das Krankenhaus der Zukunft auf. Sie diskutierten Trends der digitalen Transformation, stellten aktuelle Anwendungen künstlicher Intelligenz in der Praxis vor und behandelten zentrale Themen wie klinische Entscheidungsunterstützung, IT-Service-Management sowie digitale, anwenderorientierte Lösungen in der Medizintechnik.

So präsentierte Tobias Sauer, Leiter Medizintechnik, die digitalen Lösungen am neuen Rhön Klinikum Campus. Seine Vision: Eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung mit modernster Medizintechnik soll Herausforderungen wie Personalmangel, wachsenden Patientenansprüchen und Ambulantisierung gerecht werden. Die neue Videomanagementlösung im OP in Bad Neustadt – mit Zentralisierung von Bildmanagement und Worklistmanagement – ist Teil dieses Puzzles.

Wolfgang Haag beschrieb die neue Lösung für die dezentrale Bettenaufbereitung. Für das Bett, laut dem Betriebsleiter der Gebäudereinigung GmbH am Universitätsklinikum Bonn ein „häufig vergessenes Medizinprodukt“, und seine Aufbereitung müssten endlich sämtliche Prozesse digitalisiert werden. Sicherheit für Patienten und Personal sowie Wirtschaftlichkeit hätten dabei im Vordergrund zu stehen. Ein intuitives System für das Hygiene-Prozessmanagement – von Clinaris – schafft in Bonn nun Abhilfe.

Seiteneinsteiger und etablierte Hersteller zeigen sich in verschiedenen Produktkategorien des Krankenhauseinkaufs aktiv, beobachtet Stefan Krojer: Uber Health für Patientenlogistik, Google mit Johnson & Johnson und Verb Surgical für OP-Ausstattung, Amazon Business. Auch im Einkauf habe die Digitale Transformation nicht nur vor diesem Hintergrund oben auf der Agenda zu stehen, so der Gründer von Zukunft Krankenhaus-Einkauf. Neue Technologien sparen Geld und informieren besser. Für die Zukunft müsse man den Einkauf völlig neu denken – auch im Kontext des Stichtags der MDR-Einführung im Mai 2020 und resultierender Lieferengpässe. Als innovative Lösungen für unterschiedliche Prozessaspekte des Einkaufs nannte er insbesondere Xatena, scoutBee, Bid Ops, Crowdfox, Scalue und IntegrityNext. Krojer plädieret für einen Hub mit einer serviceorientierten Plattform für das Ökosystem des Einkaufs und für smarte Liefersicherheit durch Crowdsourcing.

Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan für Gesundheitsmanagement an der FOM – Hochschule für Ökonomie und Management, erklärte, aufgrund der digitalen Transformation habe nichts lange Bestand, auch die Berufe veränderten sich. Auch er hält das heutige Gesundheitswesen für viel zu analog und für zu sehr kurativ statt präventiv ausgerichtet.

Künstliche Intelligenz (KI) im Krankenhaus kein Hype, sondern Zukunftstechnologie! Diese Position erläuterte Dr. Franz MJ Pfister, MSc, MBA, Mediziner, Datenwissenschaftler und Unternehmer. Seine Beispiele: FDNA zur Erkennung genetischer Phänomene per Gesichtsanalyse, der Lösung Paige für Onkologie und Pathologie, KenSci in der Notaufnahme, deepc für Auffälligkeiten in Befunden, Simulation der Proteinfaltung durch DeepMind sowie „soziale Robotik“ von Diligent Robotics. Er resümierte, dass erste vielversprechende KI-Applikationen in Krankenhäusern das Potenzial zur Zukunftstechnologie hätten. Herausforderung seien dabei noch die Datenverfügbarkeit und -sicherheit, die klinische Validierung, die Standards in der regulatorischen Zulassung sowie die Integration in Workflows. Mit Piloten könne man Erfahrungswerte generieren – zum Nachweis des klinischen Nutzens sowie des ökonomischen Benefits.

 

Die Digitalisierung hält nun auch Einzug im Kontext von Neu- und Umbauten der Krankenhäuser – etwa bei den Planern von Drees & Sommer. Building Information Modeling (BIM) ermöglicht das Sammeln, Teilen und Analysieren umfassender Daten zu Bauvorhaben in einem einzigen digitalen Modell. BIM schafft Informationssicherheit für den kompletten Gebäude-Lebenszyklus – von der Planung über die Realisierung und den Betrieb bis hin zum Abriss.

Dr. Anke Diehl, Digital Change Managerin bei der Universitätsmedizin Essen, berichtete, wie das Smart Hospital mit dem klinikeigenen Patienten-Portal „SHoPP“ Information, Partizipation und Empowerment des Patienten fördere. Dieses sei für die Zeit vor, während und nach Klinikaufenthalten angelegt, sogar mit strukturierten Daten.

 

Die neue Genossenschaft „Digital Health Transformation“ als Zusammenschluss von Versorgern in Deutschland wird im ersten Quartal 2020 starten, kündigte Jared Sebhatu an. Sie soll Innovation in Krankenhäuser bringen, Handlungsfelder definieren und Technologien scouten, pilotieren und evaluieren. Die Mitglieder bleiben dabei unabhängig.

„Gedankenfutter“ gab es im Veranstaltungshotel auch in Form von „Table Talks“ in den Pausen. So zeigte das Berliner Startup Simplinic, wie sich dank seines Bluetooth-Netzwerks Krankenhausbetten, mobile Medizingeräte und Hilfsmittel raumgenau lokalisieren lassen. Die Livedatenplattform bringt Zeitersparnis und erlaubt Prozessverbesserungen – ganz im Sinne des Leitmotivs der Veranstaltung. Der Anbieter Cliniserve demonstrierte, wie digitale Assistenten durch die Verbesserung der Kommunikation mit Patienten, Arbeitskollegen und anderen Abteilungen neue Personaleinsatzmodelle in der Pflege unterstützen.

Die Veranstaltung endete mit einem Fazit des Moderators Nils Birschmann: „Monolithische Krankenhausinformationssysteme wird es künftig nicht mehr geben; die KI im Krankenhaus kommt vermehrt – und unterstützt, vor allem über Machine-Learning-Anwendungen; Daten- und Schnittstellenmanagement bleiben immer noch nötig.“ Der Kommunikator des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt gab bekannt, dass die nächste Auflage der Fachkonferenz „Das digitale Krankenhaus“ erstmals in Köln beim DLR stattfinden wird – den Termin 9. bis 10. Dezember 2020 dürfen sich Interessierte schon vormerken.

 

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