Das Startup Aiomics automatisiert einen Großteil der Bürokratie, die Ärzt:innen und Pflegekräfte von der Arbeit an Patient:innen abhält. Die KI-Plattform beschleunigt Abläufe von der Aufnahme bis zur Abrechnungsprüfung und ermöglicht die berufsübergreifende Koordination von Patientenströmen. Mirjam Bauer hat mit den Gründern gesprochen:
Was ist eure Motivation?
Bürokratie und Erschöpfung treiben europaweit Fachkräfte aus der Versorgung. Jeder Ausstieg verteilt die Arbeit auf weniger Schultern und erhöht den Druck auf die Verbleibenden. Wir wollen diesen Kreislauf durchbrechen und Menschen ermöglichen, ihrem Beruf treu zu bleiben. Kinderärztin Valerie Kirchberger erzählt in einem Kurzfilm, warum sie ihren Traumberuf verließ und bringt damit unsere Motivation auf den Punkt (siehe Film: https://www.youtube.com/watch?v=qjPseXKCWLw).
Wie habt ihr eure Ideen umgesetzt?
Wir bringen ärztliche Erfahrung und echtes KI-Fachwissen in die gemeinsame Entwicklung mit Kliniken ein. Unterlagen, Diktate und Fragebögen fließen in eine gemeinsame Fallübersicht. Dort koordinieren Medizin, Pflege und Verwaltung Aufnahme, Aufgaben und Übergaben. Die lästige Dokumentations-Arbeit und Kostenträgerkorrespondenz entsteht weit überwiegend automatisiert aus denselben Informationen.
In Bezug auf Kliniken: Wie können diese KI-generierte Dokumente anhand ihrer Ausgangsquellen prüfen?
Das Ganze funktioniert nur, wenn es auf Daten basiert, denen die Kliniken vertrauen können. Hier sind viele Anbieter naiv oder zu optimistisch. In einer Studie von 2025 übernahmen sechs Sprachmodelle gezielt eingebaute Falschangaben, in simulierten klinischen Fällen je nach Modell in 50 bis 82 Prozent ihrer Antworten. Unsere IntegrOS-Architektur führt deshalb einen umfangreichen Quellenabgleich, Beleg- und Konsistenzprüfungen durch. Wo nötig, kann der Mensch Aussagen gegenüber den Originalstellen in Sekundenschnelle überprüfen.
Wie ist euer Geschäftsmodell und wo steht ihr bei der Umsetzung?
Kliniken zahlen eine Grundgebühr je Einrichtung und fallbezogene Gebühren für die KI-Nutzung. Sie gewinnen Arbeitszeit zurück und können berechtigte Erlöse besser durchsetzen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz erhöht mit den Prüfquoten ab 2027 den Handlungsdruck. Kliniken, die Aiomics nutzen sehen bereits, dass sie zwischen 5 und 9 Euro je investiertem Euro gewinnen. Unsere Plattform ist so flexibel, dass sie inzwischen sogar von einer Anwaltskanzlei zur Erlösverteidigung von Krankenhäusern eingesetzt wird. Und eine Pflegegruppe mit über 100 Einrichtungen erprobt gerade die Plattform.
Was ist euer USP?
Technisch gesehen ist unsere Stärke, dass wir es sehr einfach machen, auch die unübersichtlichsten Dokumentationen zusammenzuführen und dann qualitätsgesichert zugänglich zu machen. Wir binden uns pragmatisch an alle erdenklichen Datenquellen an: von Faxgeräten über Labore und E-Mail-Systemen, was auch immer unseren Kunden Arbeit erspart. Und wir machen die Daten in einem Projektmanagement-Interface leicht nutzbar, mit Kanban-Board, ToDo-Listen, Texterstellung, etc. Vor allem aber verbringen wir unsere meiste Zeit vor Ort mit den Anwenderinnen und Anwendern und entwickeln unsere Lösung kontinuierlich mit ihnen weiter.