Boomender E-Health-Markt weckt Interesse von Investoren – auch Start-ups drängen in den Markt

Laut der Unternehmensberatung Roland Berger wird das Volumen des Telemedizin-Marktes von aktuell 80 Milliarden auf über 200 Milliarden US-Dollar in 2020 anwachsen. Zunehmend drängen Start-ups in den Markt, der von internationalen Investoren immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Allein in den USA haben E-Health Start-ups im Jahr 2015 mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar Finanzierung erhalten. Auch die Bitkom prognostiziert rosige Aussichten: „Telemedizin wird in zehn Jahren selbstverständlich {und} künftig ein wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung sein.“ 70 Prozent der befragten Branchen-Experten gaben an, dass insbesondere die Online Videosprechstunde bedeutsam wird. In der Bevölkerung stößt Telemedizin auf großes Interesse: Eine aktuelle Bitkom-Studie beziffert das Gesamtinteresse auf 33 Prozent. In Deutschland kommt der Markt in Bewegung.

Demographische Entwicklung, eine zunehmend mobile und digitale Lebensweise sowie strukturelle Probleme im Gesundheitswesen lassen keinen Zweifel: Die Digitalisierung des Gesundheitsmarktes bzw. Telemedizin treffen den Nerv der Zeit und sind absolute Wachstumsmärkte. Das betrifft sowohl den zweiten als auch den ersten Gesundheitsmarkt. Während im zweiten Gesundheitsmarkt insbesondere rund 100.000 Gesundheits-Apps eine große Rolle spielen, werden im ersten Gesundheitsmarkt elektronische Patientenakte oder Online Videosprechstunde wichtig werden.

Das E-Health-Marktvolumen wird sich in den kommenden Jahren mehr als verdoppeln. Das weckt Interesse bei Investoren. Insbesondere im Bereich des ersten Gesundheitsmarktes, der ein Milliardengeschäft ist. Zuletzt stiegen die Gesundheitsausgaben laut Statistischem Bundesamt auf rund 330 Milliarden Euro. Tendenz steigend. Deshalb werden im ersten Gesundheitsmarkt telemedizinische Versorgungskonzepte besonders dringend benötigt, um Kosten zu senken, die Versorgungsqualität zu verbessern und Versorgungsengpässe in ländlichen Gebieten auszugleichen. Dinge, die Telemedizin leisten kann.

Spätestens seit Verabschiedung des E-Health-Gesetzes haben Healthcare-Start-ups gute Aussichten in Deutschland. Das Gesetz gibt klare Vorgaben, um die Telemedizin in Deutschland voranzubringen. So soll unter anderem die Online Videosprechstunde im Sommer dieses Jahr in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden. Der deutsche Gesundheitsmarkt öffnet sich also zusehends für E-Health und wird damit interessanter für Wagniskapitalgeber.

Investor Michael Brehm (u.a. StudiVZ) sagt: „Noch herrscht im ersten Gesundheitsmarkt in Deutschland viel Regulierung. Aber wir sehen, dass die Marktteilnehmer wie Ärzteschafft und Krankenkassen für telemedizinische Geschäftsmodelle aufgeschlossen sind und die Politik die Rahmenbedingungen verbessert. Jüngste Beispiele sind das E-Health-Gesetz und die Landesärztekammer Baden-Württemberg, die von dem ausschließlichen Fernbehandlungsverbot abgerückt ist und in Modellprojekten telemedizinische Behandlung zulassen will. Das enorme Marktpotenzial und die Tatsache, dass einige regulatorischen Hürden jetzt auch in Deutschland nach und nach fallen, machen den Markt interessant. Deshalb haben wir in einer frühen Seed-Finanzierung in die telemedizinische Infastruktur der TeleClinic investiert.“

Auch Investoren wie Max-Josef Meier (Stylight) oder Urs Keller (billiger.de) sind in TeleClinic investiert. Das junge Münchner Unternehmen ist ein telemedizinischer Vorreiter im ersten Gesundheitsmarkt. Mittels seiner telemedizinischen Infrastruktur können u.a. Arzttermine oder medizinische Dokumente verwaltet werden. Zudem ermöglicht TeleClinic mittels moderner IKT-Technologie den virtuellen Arztbesuch bzw. die Online-Videosprechstunde. Ähnliche Modelle sind im Ausland bereits sehr erfolgreich. Bereits vier Krankenversicherer und mehr als 100 deutsche Ärzte kooperieren mit TeleClinic, die 2016 an den Start gegangen ist.

Noch hinkt Deutschland in puncto Telemedizin und Wagniskapital im Telemedizinsektor hinterher. Auch die Gründungen sind noch spärlich. Nur 0,9 Prozent der Gründungen in Deutschland entfallen auf den Bereich Digital Health. Im internationalen Vergleich ist Deutschland einer der Schlusslichter hinsichtlich des telemedizinischen Fortschritts – dies will das E-Health-Gesetz jedoch ändern.

Quellen:

Roland Berger Studie „Digital and Disrupted. All change for healthcare“, September 2016; Bitkom: Befragung zur Digitalisierung in der Medizin und derPharmabranche, 2015; Bitkom Studie, 15.09.2016: Telemedizin trifft auf großes Interesse; 3. DSM (Deutscher Start-Up Monitor) der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG; TeleClinic

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1 Kommentar

  1. Axel Busch sagt:

    StartUps werden es solange schwer haben, wie die verkrusteten Strukturen im Gesundheitsmarkt bleiben. Bp: Innovationsfonds des GBA; hier sitzen die Altsassen drin, die das Geld verteilen! Kein Optimismus!

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