Digitalisierung im Gesundheitswesen: Identity and Access Management verbindet Patientenwohl mit Datenschutz

Das Gesundheitswesen in Deutschland erfährt einen deutlichen Wandel: Vielerorts erheben Ärzte inzwischen die Gesundheitsdaten ihrer Patienten per App, behandeln Patienten per Videosprechstunde und kommunizieren bei Bedarf mit Krankenhäusern über eine speziell dafür konzipierte Plattform. Daran zeigt sich, dass moderne Informations- und Kommunikationstechnologien erhebliche Vorteile in puncto Patientenwohl und Prozesseffizienz bieten. Sie vereinfachen den digitalen Austausch von medizinischen Daten Versicherter und helfen, drängende Herausforderungen an die medizinische Versorgung zu meistern. Dazu zählen die Versorgung einer wachsenden Zahl älterer und chronisch kranker Menschen, Versorgungssicherheit in strukturschwachen ländlichen Gebieten sowie die Finanzierbarkeit kostenintensiver medizinischer Innovationen.

Allerdings birgt die Digitalisierung zugleich eine Reihe von Risiken, wenn beispielsweise Bürger den Verlust ihrer Datenhoheit fürchten. Gerade weil das Thema Datensicherheit im Gesundheitswesen insbesondere in Deutschland von eminenter Bedeutung ist, müssen einheitliche und sichere Regeln geschaffen werden.

Nicht zuletzt infolge der Corona-Pandemie ist in jüngster Zeit ein sprunghafter Anstieg digitaler Arzttermine und Terminbuchungen zu verzeichnen. Durften Ärzte und Psychotherapeuten bislang höchstens 20 Prozent ihrer Behandlungen als Videosprechstunde abrechnen, fällt diese Deckelung seit April 2020 aufgrund von Corona-Ausnahmeregelungen zeitweise weg. Doch auch abseits pandemischer Rahmenbedingungen erspart die Telemedizin den Patienten weite Wege und lange Wartezeiten. Darüber hinaus ergänzt sie den persönlichen Kontakt mit dem behandelnden Arzt auf sinnvolle Weise und leistet vor allem in ländlichen Regionen, wo große Lücken in der Versorgung herrschen, einen Beitrag, die medizinische Grundversorgung sicherzustellen.

Telemedizin und digitales Behandlungsmanagement auf dem Vormarsch

Laut dem Telemedizin Report Deutschland und Europe von Zava nahm im April 2020 das ohnehin schon stetig wachsende Interesse an der Video-Sprechstunde schlagartig um noch einmal mehr als 1.000 Prozent zu. Zudem herrsche unter Patienten in Deutschland eine hohe Zufriedenheit mit Videosprechstunden vor – vier von fünf Befragten würden sie gerne wiederholt nutzen. Als Vorteile nennen sie flexiblere Sprechzeiten und ortsunabhängige Beratungen.

Auch der Ärzteschaft bieten die Telemedizin und die Digitalisierung im Gesundheitswesen signifikante Vorteile: Beispielsweise helfen Online-Plattformen bei der Terminkoordination, erinnern Patienten automatisch per Mail an Termine, liefern die technische Infrastruktur für Videosprechstunden und helfen bei der Akquise neuer Patienten. Dieser Ansatz einer optimierten „Patientenabwicklung“ spart nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld, da die Ausfallrate bei den Terminen messbar verringert wird. Auf dem digitalen Gesundheitsmarkt in Deutschland führt der Einsatz von Telemedizin laut einer Prognose von Zava zu einem Umsatzanstieg auf 38 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025.

Elektronische Patientenakte sorgt für zeit- und kosteneffiziente Prozesse

Nicht nur beim eigentlichen Arztbesuch kommen die Vorteile digitaler Lösungen zur Geltung, auch der immense Verwaltungsaufwand, den Patientenakten, Rezepte und Co erzeugen, lässt sich damit reduzieren und einfacher sowie kosteneffizienter bewältigen. In der Vergangenheit hat die Bundesregierung damit begonnen, die Basis für eine sichere, verlässliche und digitale Infrastruktur zu legen. Dazu gehören die Einführung des elektronischen Rezepts, die Schaffung eines neuen Zugangs für digitale Gesundheitsanwendungen, die „App auf Rezept“, das Voranbringen der Telemedizin, die Etablierung eines Forschungsdatenzentrums sowie die Einführung der elektronischen Patientenakte.

Bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen stehen die Weichen auf Digitalisierung: Am 11. Mai 2019 ist das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) in Kraft getreten, das die Krankenkassen verpflichtet, ihren Versicherten ab dem 1. Januar 2021 eine elektronische Patientenakte per App zur Verfügung zu stellen, zunächst im Rahmen einer Testphase. Nach der finalen Zulassung soll die flächendeckende Vernetzung beginnen. Wie gesetzlich festgelegt, müssten Praxen dafür bis zum 1. Juli 2021 über all jene Komponenten und Dienste verfügen, die für den Zugriff auf die ePA benötigt werden. Dann liegt es im Ermessen der Patienten zu entscheiden, was gespeichert wird. Sie bestimmen auch, wer auf die ePA zugreifen darf – im ersten Jahr allerdings noch in vorläufiger Fassung. Die Vorteile des finalen Konzepts: Patienten können ihre Gesundheitsdaten jederzeit einsehen, Ärzte erhalten einen schnellen Überblick über die Gesundheitssituation des Patienten und können mehr Zeit für den Dialog mit dem Patienten aufbringen. Derweil werden Apotheker in die Lage versetzt, die Nutzer von Arzneimitteln und Medizinprodukten noch umfassender zu beraten.

Authentifizierter Zugriff auf vertrauliche digitale Datenassets

Bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens hinkt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern spürbar hinterher. Der Grund: Im Gegensatz zu den Gesundheitssystemen vieler anderer Länder herrschen hierzulande besonders strenge Datenschutzrichtlinien vor, die die Digitalisierung des Gesundheitssystems erschweren. Allerdings sind personenbezogene Gesundheitsdaten in Deutschland im internationalen Vergleich auch am sichersten, wie ein Test via Ad Tracker auf öffentlichen Gesundheitsseiten in sechs europäischen Ländern erwiesen hat. Vor diesem Hintergrund sind die hohen Anforderungen an die elektronische Patientenakte als strategische Kombination aus Datenschutzerfordernissen und praktischen Erwägungen in puncto Prozesseffizienz zu verstehen. In der Telemedizin und für die elektronische Patientenakte beispielsweise gilt es, einen sichereren Zugang für die Ärzte, aber auch für die Patienten selbst zu gewährleisten.

Um sämtliche relevanten Vorschriften einzuhalten, nicht nur die DSGVO, KRITIS oder DVO, bietet sich Identity and Access Management als Lösung an. Auf Grundlage eines leistungsfähigen Konzepts zur Zwei-Faktor-Authentisierung mithilfe biometrischer Faktoren werden Ärzte ebenso wie Patienten dazu befähigt, sich in Sekundenschnelle in die entsprechenden E-Health-Portale einzuloggen und die benötigten Informationen einzusehen – alles unter Einhaltung der geltenden Datenschutzvorgaben. Die Lösung markiert einen entscheidenden Schritt in Richtung der fortschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland mit positivem Effekt auf das Patientenwohl und die Versorgungssicherheit.

Autor und Bild: Stephan Schweizer, CEO von Nevis

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