Die digitale Revolution gestalten: Startups weisen der Kirche den Weg

Das Thema digitale Revolution spielte eine wichtige Rolle auf einer Tagung des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer Ende April in Fulda. Die Digitalisierung passiert –  gewollt oder ungewollt – und sie ist in vielen Branchen bereits weit fortgeschritten. Die Unternehmer in der Kirche haben erkannt, dass sie besser selbst gestalten sollten, um nicht gestaltet zu werden. So zeigten erfolgreiche Startups beispielhaft, wie die Transformation und Veränderung branchenunabhängig gelingen kann. Denn Digitalisierung ist kein Schalter, den man nach Belieben umlegen kann, sondern ein strategischer Prozess.

Amin Josua aus Heidelberg möchte Jugendliche über ein Video-Computerspiel ans Evangelium heranführen. Auch Tim Meggert, Geschäftsführerder der fryd GmbH, setzt auf Lernen durch Spielen. Über diesen Aspekt bieten sich gute Chancen für die Kirchen, junge Zielgruppen anzusprechen.

Zwei weitere wichtige Meilensteile auf dem Weg der Digitalisierung seien Roboter und Künstliche Intelligenz, erklärte Oliver Stahl, CEO der Robotise GmbH. Inspiriert von Isaac Asimov, Biochemiker und einer der bekanntesten Science-Fiction-Schriftsteller weltweit, realisierte er im Jahr 2016 seine eigene Roboterfirma, die digitale Helfer für viele Bereiche des Lebens bereithält. So sollen künftig Industrie, Hotelwesen und Krankenhäuser profitieren und u.a. dem Personalmangel sowie hohen Folgekosten entgegensteuern. Spezialisierte Roboter übernehmen wiederkehrende Aufgaben wie Serviceleistungen, Transport, Information und Überwachung.

Dr. Frank Grossmann, Gründer der Orphanbiotec AG und Orphanhealthcare Foundation, erkrankte als Kind an einer Variante von Lymphdrüsenkrebs. Damit Menschen mit seltenen Erkrankungen mehr Unterstützung finden, startete er im Jahr 2010 die Stiftung Orphanhealthcare. Sie soll die Einsamkeit und Isolation von Kindern mit „Orphan Diseases“ (seltenen Erkrankungen) beenden. Ziele sind dabei die Stärkung des Selbstvertrauens der Kinder und eine höhere Lebensqualität. Alltagshilfen wie Bücher, E-Comics und ein geplantes Online-Spiel vermitteln Lebensmut, Autonomie und Bildung. Das Einbinden der Familien, die über das Netzwerk Gleichgesinnte finden, spielt zudem eine wichtige Rolle.

Die gemeinnützige Stiftung Orphanbiotec steht für Inklusion, Gesundheitsförderung und Forschung. Da seltene Erkrankungen weltweit täglich zunehmen, hilft die Stiftung über ein Netzwerk aus sozial engagierten Partnern, wichtige Forschungsarbeit zu leisten. Die Früherkennung und Therapie von Magenkrebs wurde unter anderem digital deutlich vorangebracht.

So lautete die abschließende Handlungsaufforderung von Florian Nöll, Vorstandsvorsitzendem des Bundesverbandes Deutsche Startups e. V., nach sechs Präsentationen: „Gehen Sie zu den Startups, hier lernen Sie, wie Digitalisierung funktioniert. Durch neue Methoden in den Bereichen Arbeitswelt, Umsatz, Marketing und Kommunikation gelingt die Transformation.“

In mehreren Podiumsrunden wurden Fragen der Gestaltung, der besonderen Herausforderungen für die Kirche und der Ethik diskutiert. Da die Kirche von der Kommunikation lebt, diese in der heutigen Zeit allerdings anders funktioniert als früher, sind Veränderungsprozesse notwendig. Menschen möchten individuell angesprochen werden, allerdings fehlt es an geeigneten Kommunikatoren. Marlen Thieme, Mitglied des Rates und der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, betonte, nötig sei eine Kombination aus digitalen und analogen Kommunikationsräumen, in beliebiger Reihenfolge – denn die Digitalisierung biete neue Chancen der Evangelisierung!

Ethische Fragen sind nicht einfach zu lösen, die Diskussion darüber wird sicher noch eine Zeit anhalten. Eine Neuvermessung stehe an, sagte Friedrich Wachs, geschäftsführender Gesellschafter der Wachsonian GmbH und stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer in Deutschland. Sein Impulstext zeigt Gründe für den umfassenden, ethisch fundierten Diskurs auf (https://www.aeu-online.de/fileadmin/user_upload/pdf/veranstaltungen/2018/Forum2018_Programm.pdf).

So fasste Bernhard Fischer-Appelt, Vorstand der fischerAppelt AG und Mitglied im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer die evangelische Perspektive zusammen: „Die Digitalisierung geht nicht mehr vorbei, sie ist eine Ideologie. Wir müssen offen dafür sein, aber die Stärken der Kirche, die Rituale und unsere Zuversicht behalten!“

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