Der Digital-Health-Anbieter für Schwangerschaftsversorgung wächst und baut die Kassenfinanzierung weiter aus

Zwei Jahre nach der Fusion mit Kinderheldin bündelt das Unternehmen Geburtsvorbereitung, digitale Hebammensprechstunde und Präventionsangebote unter einem neuem Namen und meldet für dieses Jahr rund 50 Prozent Umsatzwachstum.

Das im Jahr 2017 gegründete FemTech Startup Keleya heißt ab sofort Glimmer. Mit dem Rebranding vollzieht das Berliner Digital-Health-Unternehmen nach der Fusion mit Kinderheldin seinen Wandel hin zu einer von
Gesundheitsexpertinnen kuratierten Wissensplattform für Schwangere und Mamas. Ein vollständig neu entwickelter Geburtsvorbereitungskurs und die abgeschlossene Integration der digitalen Hebammensprechstunde starten nun gemeinsam unter dem neuen Namen ihr Wachstum in einem herausfordernden Markt.

Das auf Weiterentwicklung aufbauende Geschäftsmodell hat sich in den vergangenen zwei Jahren am Markt etabliert: Mehr als 80 gesetzliche Krankenkassen sowie private Versicherungen übernehmen inzwischen die Kosten für die Angebote in der Glimmer App. Das Unternehmen wächst profitabel, eine Seltenheit im Digital-Health- und FemTech-Markt, der sich sonst überwiegend über Finanzierungsrunden trägt. Für das laufende Jahr rechnet Glimmer mit einem Umsatzwachstum von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Rund 100.000 Frauen nutzen die App jährlich. Bei rund 620.000 Schwangerschaften pro Jahr in Deutschland ist das ein relevanter Anteil aller werdenden Mütter. Über die Hebammenplattform ammely, auf der Schwangere und Familien passende Hebammen finden und direkt Kontakt aufnehmen können, sind zudem mehr als 10.000 Hebammen vertreten. Dies entspricht rund 60 Prozent aller freiberuflich tätigen Hebammen in Deutschland. Ammely erleichtert damit einen Schritt, der für viele werdende Eltern zu einer der größten Hürden in der Schwangerschaft wird, obwohl er für eine gute Geburtsvorbereitung entscheidend ist: die rechtzeitige Suche nach einer Hebamme.

Ein Wegweiser durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Viele werdende Eltern wissen oft nicht genau, wann sie sich um was kümmern sollten, und sind bei wichtigen Schritten wie der Hebammensuche oder der Anmeldung zu einem Geburtsvorbereitungskurs mitunter spät dran. Glimmer versteht sich deshalb als Wegbegleiterin durch Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett: Die App weist Nutzerinnen aktiv darauf hin, was zu welchem Zeitpunkt ansteht, von der frühzeitigen Hebammensuche über ammely bis zur Anmeldung für einen Geburtsvorbereitungskurs. Dabei bleibt die Empfehlung eindeutig: Ein Präsenzkurs bei einer Hebamme vor Ort hat Vorrang. Ist das zeitlich oder organisatorisch nicht möglich, bietet Glimmer mit dem eigenen digitalen Kurs eine geprüfte Alternative.

Digitale Versorgung als Ergänzung, nicht als Ersatz

Der Produktentwicklung liegt eine klare Strategie zugrunde: Digitale Versorgung soll medizinisch fundiert, niedrigschwellig und alltagstauglich sein. Hintergrund ist eine Beobachtung aus einem zentralen Versorgungsproblem: Vielen werdenden Eltern fehlt schlicht das Wissen, wann in der Schwangerschaft welche Schritte anstehen. Hinzu kommt, dass bestehende Angebote wie Geburtsvorbereitungskurse zwar von den Krankenkassen finanziert werden, aber nicht alle werdenden Eltern erreichen, weil feste Termine, lange Einheiten und Präsenzformate sich oft schwer mit Beruf, Familie oder anderen Verpflichtungen vereinbaren lassen.

Entsprechend orientiert sich der neu entwickelte Geburtsvorbereitungskurs am heutigen Mediennutzungsverhalten werdender Eltern: kurze, jederzeit abrufbare Video-Einheiten, die sich flexibel in den Alltag integrieren lassen – für die Zeiten, in denen ein Präsenzkurs zeitlich oder organisatorisch nicht möglich ist. Die digitale Hebammensprechstunde setzt genau dort an, wo reguläre Hebammenpraxen in der Regel nicht erreichbar sind, etwa abends und am Wochenende. Dies schließt eine zeitliche Lücke in der Versorgung, ohne die persönliche Betreuung durch examinierte Hebammen zu ersetzen. Neue Angebote, etwa zur Frühgeburtsprävention oder zur Begleitung nach Fehlgeburten, erweitern die Versorgung kontinuierlich. Damit entwickelt sich Glimmer schrittweise von einer Schwangerschafts-App zu einer digitalen Infrastruktur für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett – unabhängig von Wohnort oder Zeitbudget und bleibt durch die Kostenübernahme der gesetzlichen Krankenkassen für jede Familie erreichbar. Ene gute Versorgung und wirtschaftliche Tragfähigkeit schließen sich im Digital-Health-Markt nicht aus.