Aufschwung für digitale Medizin: Nutzerzahlen von Gesundheits-Apps wachsen in der Coronakrise

Während deutsche Startups branchenübergreifend mit den wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 zu kämpfen haben, erkennen Gründer und Investoren aus dem Bereich Digital-Health die Wachstumspotentiale. Sowohl die hohe öffentliche Aufmerksamkeit für Gesundheitsthemen als auch der Boom digitaler Anwendungen in Zeiten des Social Distancings beflügelt die Branche rund um Gesundheits-Apps und Telemedizin. Eine Umfrage unter deutschen Startups und Investoren zeigt: Die monatlichen Nutzerzahlen der Gesundheits- und Fitnessanwendungen sind seit Mitte März in Deutschland um 16 Prozent gestiegen. Die Zahl der Digital-Health- und Fitness-App-User erreicht in Deutschland mit 20,4 Mio. einen neuen Höchststand. 80 Prozent der Health-Startups berichten zudem, dass Kunden ihre Apps häufiger nutzen. Entsprechend sehen 82 Prozent der Befragten die Krise als Chance und 72 Prozent rechnen mit höheren Investments in die eigene Sparte – im Vergleich zum Vorjahr.

„Die Coronakrise beschleunigt die Digitalisierung in der Medizin in einem enormen Ausmaß. Patienten und Ärzte nutzen aktuell vermehrt virtuelle Behandlungsmöglichkeiten und erkennen deren Vorteile. Daher könnten sich digitale Lösungen auch mittel- und langfristig als Ergänzung traditioneller Methoden etablieren. Ihre Resilienz haben Digital-Healthcare-Startups schon während der Finanzkrise mit geringen Finanzierungsrückgängen unter Beweis gestellt. Das aktuelle Stimmungsbild der deutschen Gründerszene bestätigt uns in der Prognose, dass die Ausgaben für digitale Gesundheitslösungen bis 2030 allein in Deutschland ein Marktvolumen von rund 40 Mrd. US-Dollar erreichen werden“, erläutert Dr. Thomas Solbach, Studienautor und Partner bei Strategy&, der Strategieberatung von PwC.

Als größte mittelfristige Wachstumschance betrachten 88 Prozent der Interviewten das krisenbedingt deutlich gestiegene Bewusstsein für digitale Angebote in der Bevölkerung, die durch die aktuell hohe Auslastung des Systems verstärkt einen eigenen neuen Zugang zu Gesundheitslösungen finden muss. Gesundheits-Apps eröffnen aus der Sicht von 12 Prozent der Befragten neue Corona-spezifische Geschäftsfelder. Gleichzeitig blicken deutsche Gesundheits-Startups realistisch auf die einschränkenden Faktoren der Krise, die sie bewältigen müssen, um die Marktpotentiale voll ausschöpfen zu können. 58 Prozent machen sich Sorgen, dass Investoren Venture Capital aus Risikoprojekten zurückziehen. Außerdem befürchtet die Hälfte der Befragten, dass die Kostenträger in der Folge der Krise noch preissensibler agieren.

Im Bereich Marketing und Sales werden kontaktlose Alternativen zu Messen und persönlichen Treffen noch länger eine zentrale Rolle spielen. So berichten 62 Prozent der Befragten von Covid19-bedingten Veränderungen in diesem Bereich. Neue Möglichkeiten bieten Social-Media-Kanäle oder auch die digitale Kontaktaufnahme zu Ärzten, die ihre Patienten aktuell nur begrenzt persönlich betreuen können. Die steigenden Nutzerzahlen bei Gesundheits-Apps sollten die Startups zudem zeitnah in detaillierte Datenanalysen einfließen lassen, um den medizinischen Mehrwert ihrer Anwendungen zu dokumentieren.

Für Digital-Health-Startups könnte sich die Pandemie als entscheidende Wegmarke in der eigenen Entwicklung erweisen. Um Zertifizierungsprozesse und somit die Einführung innovativer Produkte weiter zu beschleunigen, sind Kooperationen etablierter Gesundheitsunternehmen, wie etwa Pharmafirmen mit Startups, denkbar, um langjährige Erfahrung mit innovativen Geschäftsideen zu vereinen. So könnte es gelingen, bürokratische Hürden im Dialog mit den Regulatoren schrittweise abzubauen. Der Weg hin zu einer patientenzentrierten digitalen Medizin mit dem Fokus auf Prävention ist angesichts des aktuellen Digital-Booms selten so klar vorgezeichnet wie heute“, schließt Thomas Solbach.

(Methodik: Für die Studie wurden mit Unterstützung des Spitzenverbands Digitale Gesundheitsversorgung e.V. 27 deutsche Digital-Health-Gründer und -Investoren im April 2020 befragt.)

Quelle: PwC Strategy& (Germany) GmbH

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