2026 rückt das Thema Wechseljahre in Deutschland auf die politische Agenda: Bund und Antidiskriminierungsstelle arbeiten an Forschungsförderung und Handlungsempfehlungen. Für die rund neun Millionen betroffenen Frauen gibt es weiterhin kaum deutschsprachige digitale Unterstützung. Ein Berliner Einzelunternehmen will das mit FemVida ändern.

Lange galten die Wechseljahre in Deutschland als Privatsache. Seit Januar 2026 ist das nur noch die halbe Wahrheit: Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt legte eine Fördermaßnahme auf, um die Forschung zu Wechseljahresbeschwerden zu stärken. Fast zeitgleich gründete die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung ein Gremium, das Handlungsempfehlungen für Politik und Arbeitgeber erarbeitet. Beide Initiativen beziffern dieselbe Größenordnung: Rund neun Millionen Frauen in Deutschland sind derzeit in den Wechseljahren, etwa 85 Prozent von ihnen berichten von Beschwerden.

Mit der politischen Aufmerksamkeit wächst der Bedarf – nicht das Angebot. Wer Symptome dokumentieren, die Ernährung anpassen oder das Training an eine veränderte Belastbarkeit anpassen will, findet vor allem englischsprachige Anwendungen und muss die Themen meist auf mehrere Apps verteilen.

Ein deutschsprachiges Angebot aus Berlin

Hier setzt FemVida an: eine seit Juli 2026 in beiden App-Stores verfügbare Anwendung des Berliner Einzelunternehmens VidaCore. Sie bündelt vier Bereiche in einer App – ein Tagebuch für Stimmung, Schlaf und körperliche Veränderungen, eine Ernährungserfassung per Foto, ein an den vier Zyklusphasen orientiertes Training und eine Wissensdatenbank mit belegten Quellen.

Praktisch entscheidend ist die Exportfunktion: Erfasste Daten lassen sich strukturiert zusammenfassen und in die ärztliche Sprechstunde mitnehmen. Wer seine Beschwerden über Wochen dokumentiert hat, geht mit einer anderen Ausgangslage ins Gespräch als jemand, der aus der Erinnerung berichtet.

Aus dem eigenen Umfeld entstanden

„Meine Frau und Frauen aus unserem Bekanntenkreis haben mir beschrieben, wie unübersichtlich diese Lebensphase ist – und wie wenig praktische Unterstützung es dafür auf Deutsch gibt“, sagt Gründer Daniel Adam. Die App ersetzt keine ärztliche Behandlung. Sie soll Frauen zwischen zwei Terminen etwas an die Hand geben.

Daniel Adam ist Personaltrainer und hat FemVida als Einzelunternehmer entwickelt. Die App ist derzeit kostenfrei nutzbar, die Datenverarbeitung erfolgt nach den Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Eine kostenpflichtige Erweiterung ist für 2027 vorgesehen. „Die App ersetzt keine ärztliche Behandlung. Sie soll Frauen zwischen zwei Terminen etwas an die Hand geben“, sagt Adam.

Ob digitale Werkzeuge allein die Versorgungslücke schließen können, ist offen. Die Deutsche Menopause Gesellschaft fordert seit Jahren ein gesundheitspolitisches Konzept für diese Lebensphase – mit Verweis auf England, wo seit 2021 entsprechende Regelungen bestehen. Bis dahin bleibt vieles Selbstorganisation.