Menstruationstassen oder was Blauwale mit der Periode zu tun haben

Das ehemals dänische Startup RubyCub ist heute ein britisches Unternehmen mit Sitz in Barcelona. Es bietet mehr als eine nachhaltige Alternative zu Tampons & Co. Das Unternehmen sorgt dafür, dass nach dem Prinzip ,Buy One, Give One‘ Menstruationstassen in Entwicklungsländern verteilt werden. Das ist eine klare Kampfansage an hygienische Missstände und daraus resultierenden Probleme: 546 Autos, 5,5 Blauwale oder 182 Elefanten entsprechen etwa dem Gewicht an Tamponmüll, das durch die Nutzung der Menstruationstasse Ruby Cup im letzten Jahr der Umwelt erspart wurde.

Und das soziale Businessmodell funktioniert: Im Vergleich zu 2015 konnte das Unternehmen die Zahl der gespendeten Menstruationstassen vervierfachen. Bisher wurden insgesamt knapp 25.000 Menstruationstassen an junge Frauen und Mädchen verteilt, zum Teil in Zusammenarbeit mit NGOs. Ende 2018 sollen es 50.000 Stück sein.

Für jede regulär verkaufte Tasse wird eine zweite an ein Mädchen oder eine Frau in Asien oder Afrika gespendet, denn in Entwicklungsländern ist die Menstruation ein Tabuthema mit schwerwiegenden Folgen. Mangelnde Aufklärung und fehlende Hygieneartikel führen dort zu Infektionskrankheiten, frühen Schwangerschaften und Prostitution. Junge Mädchen sind darauf angewiesen, Geld für Tampons zu beschaffen oder sie benutzen alte Zeitungen, Socken oder Lehm, um das Blut aufzufangen. Vielfach versäumen sie die Schule während ihrer Periode, zahlreiche Mädchen brechen ihre Ausbildung ab, weil sie den Anschluss verloren haben.

Ruby-Cup-Trainerinnen klären die Mädchen über die Vorgänge in ihrem Körper auf und schulen sie im Umgang mit der Menstruationstasse. 80 % der Mädchen nutzen Ruby Cup nach 6 Monaten noch immer und kaum noch ein Mädchen verpasst den Schulunterricht wegen seiner Periode.

 

Interview mit Gründerin Julie Kjaer Weigaard

Warum habt Ihr Ruby Cup ins Leben gerufen, obwohl es schon genug Menstruationstassen gibt?
Ja, es gibt heute viel mehr Anbieter als zum damaligen Zeitpunkt. Ich bin durch meine Mitgründerin Maxie Matthiessen auf die Menstruationstassen aufmerksam geworden. Am Anfang dachte ich „Was für ein Quatsch“, aber als ich gelernt hatte, damit umzugehen, hat es mein Leben verändert. Dann haben wir uns mit der Materie beschäftigt und herausgefunden, dass Menstruation gerade in Entwicklungsländern ein heikles Thema ist. Die Mädchen dort können sich Tampons oder Binden einfach nicht leisten oder können sie nirgendwo kaufen. Unser Modell ‚Buy One, Give One‘ ist eine einfache, nachhaltige Lösung für diese Probleme und macht Ruby Cup zu etwas Besonderem: Wenn Du eine Tasse bei uns kaufst, tust Du Dir, dem Planeten und einem anderen Mädchen etwas Gutes.
Seht Ihr Euch mehr als Entwicklungshilfe-Projekt oder als wirtschaftliches Unternehmen?
Beides! Wir sind ein soziales Unternehmen, bei dem das eine das andere nicht ausschließt. Je besser es unserem Unternehmen geht, desto mehr Mädchen können wir helfen. 29 Euro ist ein normaler Preis für eine hochwertige, haltbare Menstruationstasse aus medizinischem Silikon. Bei uns kauft man eben zwei. Wir verzichten dabei natürlich auf einen erheblichen Teil unserer Marge, helfen aber vielen Mädchen, die ansonsten jeden Monat mit der Scham rund um ihre Periode zu kämpfen haben.
Was haben denn Frauen in der westlichen Welt davon, Ruby Cup  zu benutzen?
Heute würde ich niemals wieder einen Tampon benutzen. Eine Menstruationstasse von Ruby Cup hält 10 Jahre, so spare ich Geld und produziere keinen Müll. Ich kann die Tasse dreimal so lange wie einen Tampon tragen, weil das Fassungsvermögen größer ist. Sie trocknet die Vagina nicht aus und enthält keine Bleichmittel, Duftstoffe oder andere Zusätze wie etwa Tampons. Mit der Menstruationstasse bleibt die natürliche Flora intakt.

Sie bieten also ein Produkt ohne Nachteile?
Natürlich nicht. Die meisten Frauen müssen wie ich ein wenig üben, um die Tasse problemfrei anwenden zu können. Viele sind auch skeptisch, weil sie denken, dass die Reinigung kompliziert ist oder das Blut sie abstößt. Aber diese Zweifel verschwinden schnell. Ich fühle mich ehrlich gesagt sauberer mit der Tasse, es gibt keinen Geruch, keinen Müll. Viele unserer Kundinnen sagen uns, dass die Menstruationstasse ihr Leben verändert hat und dass sie davon gern schon vor Jahren gewusst hätten.

Quelle: Ruby Cup

Info der Redaktion:  Es gibt eine automatisierte Beratung für Menstruationstassen, die Interessierten auf Basis eines klickbaren Fragebogens bis zu 3 Modelle empfiehlt.  Ihr findet das Projekt unter http://tassenfinder.de

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