E-Health Lösungen voranbringen: Hessen vernetzt sich

IMG_5293Praktische Telemedizinanwendungen für Patienten gewinnen an Bedeutung: auch in Hessen hat man das mittlerweile verstanden. Beim E-Health-Kongress 2017 im September in der IHK Frankfurt am Main diskutierten mehr als 250 Fachleute über News aus Telemedizin, E- und M-Health.

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Stefan Grüttner, Hessischer Gesundheitsminister

Stefan Grüttner, Hessischer Gesundheitsminister und Schirmherr des Kongresses, erklärte, das Land werde digitale Gesundheitsprojekte ab 2018 mit jährlich 6,5 Millionen Euro fördern. Auch wenn er lange überlegt habe, ob er das Wort gematik in den Mund nehmen soll, wünsche er sich – unabhängig von der Karte – eine digitale Patientenakte, bei der der Patient die Hoheit über seine Daten hat. Das neue Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health soll diese Entwicklungen in Hessen künftig voranbringen. Der Minister für Soziales und Integration – der das Thema Gesundheit mehr würdigen möchte und sich deshalb Gesundheitsminister nennt – bekräftigte die Strategie seines Landes: Er wolle nicht nur aufholen, sondern auch Siege feiern. Eine wichtige Herausforderung der Zukunft sei es, die weniger dicht besiedelten Gebiete beispielsweise über E-Health und Telemedizin zu versorgen. Dabei stünden der Nutzen für den Patienten und der Datenschutz im Mittelpunkt.

Die Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundesfraktion für Telematik, MdB Dr. Katja Leikert, hob hervor, Deutschland dürfe nicht zum Technik-Museum werden, Faxgeräte gehörten in die Vergangenheit. Sie plädierte für flächendeckende, schnell verfügbare telemedizinische Angebote wie die Videosprechstunde.

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MdB Dr. Katja Leikert, Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundesfraktion für Telematik

„Die demografische Entwicklung stellt unser Gesundheitswesen vor signifikante Herausforderungen. Lösungsansätze sind digitale und mobile Technologien. Ich freue mich, dass wir am Standort Hessen durch unsere Spitzenpositionen in Bereichen wie Breitbandausbau, IT-Sicherheit, Gesundheits- und Digital-Branchen richtungweisende Impulse geben“, betonte Dr. Rainer Waldschmidt, Geschäftsführer der Hessen Trade & Invest GmbH und der HA Hessen Agentur GmbH.

Florian Gerster, Staatsminister a. D., Unternehmensberater und Vorsitzender der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e. V., ergänzte: „Die ambulant-stationäre digitale Vernetzung ist die zentrale Voraussetzung, um Versorgungsstrukturen im Interesse von Patienten und Fachkräften im Gesundheitswesen effizient zu organisieren.“ Es gebe allerdings immer noch zu viele Insellösungen, Deutschland müsse aufholen, in der Industrie 4.0 sei das Land schließlich weltweit führend.

Diskussionen und Lösungen – auch für Startups?

Eine kontroverse Podiumsdiskussion zum Thema „Sichere digitale sektorenübergreifende Kommunikation von Patientendaten“ brachte es nach vielen Publikumsfragen auf den Punkt: Der Gesundheitsmarkt scheitert vor allem deshalb immer noch an der Digitalisierung, da hier Schuldzuweisungen dominieren. Mit diesen müssten die Akteure endlich aufhören. Vielmehr solle man aus der Vergangenheit lernen und anfangen, nutzerorientiert zu denken.

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Tobias Meixner, helios.hub

Digitale und mobile Anwendungen sind in der Gesundheitswirtschaft keine Zukunftsvision mehr. Wie die sektorenübergreifende Versorgung und die telemedizinische Behandlung in der Praxis verbessert werden können, zeigten die rund 30 Aussteller, darunter auch verschiedene Jungunternehmen. So stellten im Startup-Forum Wingcopter, Nelumbox und Well-IT ihre Lösungen vor, ferner erläuterte Tobias Meixner von helios.hub den Weg in die regulierten Märkte, der nur über Kooperationen gelingen kann. Er betonte, die Abbildung „des Fax in eine E-Mail“ könne kein sinnvoller Weg sein, neue Prozesse seien erforderlich. Helios habe ein Patientenportal in Berlin entwickelt, das nun in Deutschland ausgerollt werden soll. Er rät Startups, Akzeleratoren zu nutzen, allein sei der Weg zu schwer. Größere Konzerne wie Helios bieten Standards und Vernetzungsmöglichkeiten für Entwicklung und Wachstum.

Weitere spannende Foren zur mobilen Arzt-Patienten-Kommunikation, der Transparenz und Orientierung in Bezug auf Gesundheits-Apps, das Verschlüsseln und Signieren im Praxis-Alltag, die digitale Patientenakte in Dänemark sowie digitale Lösungen für die stationäre Regelversorgung standen ebenfalls auf der Agenda. Diese Beispiele zeigten, wie digitale Technologien Lebensqualität und gesundheitliche Versorgung verbessern.

Mehr Dynamik für die Entwicklung

Um das Thema Telemedizin in Hessen und Rhein-Main noch stärker als bisher voranzubringen, bündeln die Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e. V., IHK Hessen innovativ und Hessen Trade & Invest künftig ihre Kräfte. „An der digitalen medizinischen Zukunft arbeiten wir jetzt alle gemeinsam. Damit bieten wir Unternehmen und unseren Fachbesuchern die zentrale Plattform für Kommunikation und Vernetzung für Telemedizin in Hessen“, so Prof. Dr. Wolfram Wrabetz, stellvertretender Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main.IMG_5290

Die Vernetzung zahlreicher Akteure untereinander sowie mit den Sektorenbeauftragten und der Politik ist dem Kongress endgültig gelungen – auch dank der stetigen Motivation durch den Sprecher des E-Health-Aktionskreises Dr. Lutz Reum. Wir blicken gespannt auf die Fortsetzung im nächsten Jahr. Ob das im Januar 2018 startende Kompetenzzentrum für Telemedizin und E-Health schneller vorankommt als andere Initiativen? Welchen Einfluss hat gegebenenfalls die neue Legislaturperiode?

Von Mirjam Bauer

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